Beratung für den Auslandsaufenthalt

Auslands- und ERASMUS-Beauftragte am ISER

Bei Fragen zum Thema Auslandsaufenthalt im Lehramtsstudiengang Sonderpädagogik oder dem Masterstudiengang Frühe Hilfen können Sie sich an folgende Mitarbeiterinnen wenden:

Dr. phil. Janet Langer

August-Bebel-Str. 28

Raum: 2012

Telefon: 0381 / 498 2537

Fax : 0381 / 498 26 65

E-Mail: janet.langer(at)uni-rostock(dot)de

Sprechzeiten im Sommersemester 2018

Mittwoch, 9.30 - 10.30 Uhr

nach vorheriger Anmeldung per Email

Dr. phil. Marlene Meindl

August-Bebel-Str. 28

Raum: 5011

Telefon: 0381 / 498 2674

Fax : 0381 / 498 26 65

E-Mail: marlene.meindl(at)uni-rostock(dot)de

Sprechzeiten Sommersemester 2018

Nach Absprache per Email


Bitte beachten Sie, dass Frau Meindl am 13. Juli 2018 ihren letzten Arbeitstag hat.

Sie wird dann für ca. ein Jahr im Mutterschutz bzw. in Elternzeit sein.

Weitere Informationen zum Thema Auslandsaufenthalt finden Sie unter:

Auslandssemester: https://www.uni-rostock.de/internationales/ins-ausland/studium-im-ausland/

Auslandspraktikum: https://www.uni-rostock.de/internationales/ins-ausland/praktikum-im-ausland/ 


Erfahrungsberichte

Hier finden Sie einige Erfahrungsberichte von Studierenden der vergangenen Semester.

Sommersemester 2017: Auslandssemester in Bilbao (Spanien)

"Ich habe ein Semester in der Stadt Bilbao (Nordspanien) studiert und würde die Stadt als auch ein Auslandssemester an sich wärmstens weiterempfehlen, da es für mich ein halbes Jahr voller Sonnenschein, Lebensfreude, coolen Menschen, neuen Eindrücken und ein Kennenlernen verschiedener Kulturen und Sprachen war."

Erfahrungsbericht "La experiencia en BILBAO"

Erfahrungsbericht "La experiencia en BILBAO"

Vorbereitung

Von vielen hört man, dass die Organisation des Auslandaufenthaltes sehr nerven- und zeitaufwändig sei. Dies muss nicht der Fall sein, wie ich bei mir feststellen konnte. Die Idee und Begeisterung für ein Erasmussemester kam bei mir im Spätsommer 2016 auf. Die ersten Informationen, die ich mir über unserer Universitätshomepage einholte steigerten meine Vorfreude umso mehr und so stattete ich der Auslandskoordinatorin meiner Fakultät (Sonderpädagogik) direkt am Anfang des neuen Semesters einen Besuch ab. Dort stand nach einem kurzen Gespräch fest, dass ich für die Universität Deusto in Bilbao nominiert werden würde, da mir die Stadt im Norden Spaniens vom Klima und der Sprache her am meisten zusagte. Mit ein wenig Glück könnte ich bereits im Sommersemester des kommenden Jahres durchstarten hieß es, da dies mein großer Wunsch war. Wenn schon Spanien, dann auch gerne im Sommer! Nur zwei Wochen später erhielt ich eine Email der Universität aus Bilbao mit einer Zusage für das Sommersemester 2017. Die Freude war groß und so begann für mich die Erstellung des Learning Agreements, welches für die Anerkennung des Auslandssemesters maßgeblich ist. Die für das Sommersemester angebotenen Kurse der Universität Bilbao konnte man auf deren Homepage detailliert beschrieben auffinden. So lief ich nach einiger Recherche mit einer breit ausgewählten Kursliste von Fachbereichskoordinator zu –koordinator um meine Unterschriften der Rostocker Dozenten einzuholen, um ja sicher zu gehen, dass sich dieses Semester auch unitechnisch lohnen würde. Nach etlichen Emails und einigen Gesprächen waren die Unterschriften auf meinem Learning Agreement zusammen und so ging es weiter zum AAA um die finale “Absegnung“ zu erhalten. Nachdem die Vorbereitungen für die Universität in Bilbao und Rostock soweit erledigt waren, stand die Suche einer Unterkunft auf meiner To-Do-Liste. Dank eines gut organisierten Programms der Universität Deusto war dies auch aus der Ferne sehr einfach zu organisieren. Mit Hilfe einer interaktiven Google Maps Karte wurden alle möglichen Unterkünfte mit den wichtigsten Informationen und Bildern online präsentiert und so konnte ich mir meine fünf Favoriten zusammenstellen. Nach dem Bewerbungsende wurde mir dann glücklicherweise meine “Priorität Eins“ zugeteilt und die ersten Informationen meiner beiden Mitbewohnerinnen noch dazu. All die Vorbereitungen waren bis Mitte Dezember unter Dach und Fach, sodass es summa sumarum 2 Monate in Anspruch genommen hat. Mein Abflug sollte am 01.02.2017 stattfinden, also direkt nach dem Wintersemester, welches ich dank einer vorgelegten Klausur auch soweit abgeschlossen hatte und so konnte ich mit freiem Rücken das Auslandssemester starten.

Universidad Deusto – Bilbao – Baskenland – Nordspanien

Universidad Deusto, Bilbao, Baskenland? Keine Ahnung. Meine Vorkenntnisse über den Norden Spaniens hielten sich in Grenzen, aber dank Google Maps war die Stadt Bilbao schnell ausfindig gemacht und die dabei ins Auge stechende Meeranbindung maßgeblicher Grund für die Wahl dieser Universitätsstadt. Kurz vor meiner Abreise habe ich noch ein paar Erfahrungsberichte gelesen und dann ging es guten Mutes auch schon los in das Unbekannte. Bilbao ist Teil des spanischen Baskenlandes, welches durch drei Teile und Städte dominiert wird. Bilbao, welche vor allem für das Guggenheimmuseum bekannt geworden ist. Vitoria-Gasteiz, welche die Hauptstadt des Baskenlandes ist und einen kleinstädtischen Charakter trägt, mit süßen Plätzen und Gassen und herausragender Streetart. San Sebastian oder auf Baskisch Donostia genannt ist die Dritte und überzeugt mit ihrer direkten Meeranbindung, den außergewöhnlichen Shops, der verschachtelten Altstadt und den besten Pintxos (der Welt!!). Die Basken haben eine etwas andere Lebensmentalität als die Spanier und sind sehr stolz auf ihre baskische Identität. Seit einiger Zeit wird in der Schule wieder baskisch gelehrt (welches unter der Regierung Francos verboten war) und somit begegnen einem im Alltag sowohl Spanisch als auch Baskisch. Bilbao ist mit seinen mehr als 350.000 Einwohnern die Größte der drei Städte und liegt entlang des Flusses Rìo Nerviòn. Früher als fluorierende aber hässliche Industriestadt bekannt, ließ sie dies nach der Industriekrise Ende der 80er Jahren hinter sich und entwickelte sich danach dank des Guggenheimmuseums, der neuen Metro und vielen weiteren architektonischen Neuheiten zu einer aufsteigenden und interessanten Kulturstadt. Dabei kann man Bilbao und generell das Baskenland keinesfalls mit den typischen Städten des Südens vergleichen, da das Baskenland vor allem durch seine Naturschönheit begeistert und vom Wetter her nicht mit den typisch spanischen Temperaturen mithalten kann. Alles hat halt seinen Preis, denn die Wälder und Wiesen sind ja nicht ohne Grund so schön grün.

Universidad Deusto

Die Universität Deusto ist eine Privatuniversität in Bilbao und eine von mehreren Universitäten in Bilbao und dem Baskenland. Von außen und innen ein hübsches Gebäude, welches direkt am Fluss und in unmittelbarer Nähe zum Guggenheim gelegen ist. Die Auslandskoordinatoren in Bilbao ermöglichten mir einen unbeschwerten Einstieg in das Universitätsleben und standen einem auch während des Aufenthaltes mit Rat und Tat zur Seite. Nachdem in den ersten beiden Wochen die Organisation und Eingliederung in das Uni- und Kurssystem im Vordergrund standen, kam dann auch schon nach kurzer Zeit ein Alltag in das Universitätsleben herein. Ich belegte bis auf einen Spanischsprachkurs nur Kurse auf Englisch, da ich mir das Studieren auf Spanisch mit meinem zurückliegenden Schul-Spanisch-Wissen nicht zutraute. Insgesamt kann man sagen, dass in Deusto eher schulisch gelehrt und gelernt wird, welches man bereits an der Größe der Kurse feststellen konnte (zumindest in meinen Fakultäten Modern Languages und Primary Education). Auch die Lehre kam meiner Meinung nach oftmals nicht über das Schulniveau hinaus und wurde auch von anderen Studenten aus dem In- oder Ausland so erfahren. Gelernt wurde in meinen Kursen häufig in Gruppen und so wurden vor allem Teamkompetenzen in den Vordergrund gestellt. Außerdem wurde an der Universität sehr auf die Reflektion des Lernfortschrittes geachtet und somit war ein Portfolio öfters Hauptbestandteil meiner Kurse. Positiv war außerdem das Prüfungssystem an der Uni, da Termine und Noten schnell feststehen und man daher rechtzeitig Bescheid weiß ob man wegen einer Nachprüfung oder einer gewünschten Verbesserung noch ein Weilchen länger bleiben muss. Studentenleben Das Studentenleben in Bilbao kann so vielfältig gestaltet werden wie man möchte. Es gibt zwei Erasmusorganisationen, die einem besonders am Anfang eine gute Möglichkeit bieten Land und Leute kennen zu lernen (Happy Erasmus und ESN). Ob Barabende, Partys, Natur- oder Städteausflüge, ist für jeden etwas dabei. Nach einiger Zeit bildeten sich dann festere Freundesgruppen und wir fingen schnell an das Baskenland auf eigene Faust zu erkunden. In Bilbao gibt es zwar Busse, Straßenbahnen und die Metro, aber je nachdem wie und wo man wohnt, läuft man in dieser Stadt viel zu Fuß. Meine Wohnung lag in Uribarri einem Stadtviertel außerhalb der Flussgrenze, welches oberhalb der Altstadt direkt am Berg gelegen ist. So lief ich zu eigentlich allen Orten wie der Universität, der Altstadt, der Innenstadt oder zu meinen Freunden 15-35 Minuten zu Fuß. Daran gewöhnte ich mich jedoch schnell und dank der schönen Wohnung waren es mir die Kilometer Fußmarsch wert. Besonders beliebte Wohnviertel bei Studenten sind Indautxu, Deusto oder Casco Viejo. Die Mieten liegen durchschnittlich bei 300€ im Monat plus Strom und Wasser. Die einheimischen Studenten wohnen in der Regel alle noch Zuhause und somit sind eigentlich alle WGs von Auslandsstudenten besetzt, sodass es immer zu bunten Mischungen kommt. Mit den einheimischen Studenten kommt man wenn man möchte durch die Universität in Kontakt, wobei diese in der Regel selten gutes Englisch sprechen und daher eher zurückhaltend gegenüber Auslandsstudenten sind. Im Allgemeinen sind die Basken ruhige Leute, die sehr familienorientiert sind. Fast täglich werden in Bars und Cafés Jung und Alt zusammengeführt, da diese während der Siesta oder nach dem Feierabend überall in der Stadt aufgesucht werden. So sind die Straßen der Stadt immer gefüllt mit gut gelaunten Menschen und man hat viele Möglichkeiten seinen Abende mit Pintxos und Wein oder Bier ausklingen zu lassen. Die Umgebung von Bilbao ist dank des unbeständigen Wetters und des vielen Regens super grün. Wer Lust auf Wandern, Klettern und schöne Aussichten hat, wird dort voll und ganz auf seine Kosten kommen. Die Umgebung ist sehr bergig und ruhig und bietet viele schöne Tagesausflugsziele. Neben den Bergen bietet auch der Atlantik nicht nur schöne faule Strandtage sondern auch sportliche Aktivitäten wie das Surfen an. Wer Lust hat diesen Sport einmal auszuprobieren hat an der Küste mehrere Möglichkeiten dafür und wird zu jeder Jahreszeit auf seine Kosten kommen (Mai + September sind die besten Surfmonate). Um nochmal zum Wetter zurück zu kommen: Der Regen ist Bilbao‘s treuester Begleiter und besucht die Stadt immerzu. Trotzdem war das Wetter während des Sommersemesters ein “deutscher Traum“, da es ab Februar 20 Grad und Sonne gab, die ab und zu von Wind und Regen abgelöst wurden. Daran gewöhnte man sich aber schnell und an solchen Tagen konnte man sich dann guten Gewissens dem Studium widmen. Ich habe mir jedoch sagen lassen, dass das Auslandsstudium im Winter nicht zu empfehlen ist, da es in den schlecht isolierten Wohnungen schon mal recht kalt werden kann und man wegen des Wetters nicht so viel unternehmen könne.

Fazit

Das Auslandssemester in Bilbao war ein Semester voller Lebensfreude. Die Stadt ist übersichtlich und man findet sich sehr schnell zurecht und kommt schnell in den spanischen Tagesrhythmus – Mittag um 15:00 Uhr und Abendessen um 21:00 Uhr - herein. Obwohl mich die Universität selbst nicht vom Hocker gehauen hat, waren dort alle Professoren sehr hilfsbereit und organisatorisch gab es nichts zu beanstanden. Am besten gefallen haben mir die vielen Möglichkeiten die das Baskenland zu bieten hat und so unternahmen wir jede Menge Ausflüge. Besonders sehenswert ist die Stadt San Sebastian, die man mit dem Bus für wenig Geld in anderthalb Stunden erreichen kann. Übrigens ist es im Baskenland sehr preiswert auf Reisen zu gehen und man kann viele auch weiter entfernte Orte für 2-3€ mit Bus oder Zug erreichen. In der Stadt Gernika gibt es ein Friedensmuseum, welches mir am besten von allen Museen gefallen hat. Außerdem wird bei jedem Naturbegeisterten bei den Stränden und Bergen Freude aufkommen und auch das Surfen bietet einem die Möglichkeit sich mal richtig auszupowern und den Atlantik bei Wind und Wetter kennenzulernen. Ich würde jedem Studenten ein Auslandssemester empfehlen, da man durch die Partnerschaften der Universitäten relativ unkompliziert an einer Universität im Ausland studieren kann. Ein bisschen Geld sollte man sich jedoch vorher zur Seite gelegt haben, damit man bei den Ausflugs- und Reisemöglichkeiten nicht aus finanziellen Gründen drauf verzichten muss (die Erasmusförderung hilft dabei sehr, kann aber ein paar Wochen bzw. Monate!! auf sich warten lassen). Außerdem hat man neben dem Kennenlernen einer anderen Universität das Glück Land und Leute aus aller Welt kennenzulernen um dabei sowohl soziale als auch sprachliche Kompetenzen zu erweitern. Das Baskenland und die Stadt Bilbao sind leider noch nicht so weit bekannt und werden oftmals noch von Vorurteilen der baskischen Geschichte heimgesucht. Das Schöne dabei ist jedoch, dass die Stadt nicht von Touristen oder Auslandsstudenten überlaufen ist und man somit die baskische Lebensform viel besser kennenlernen und dabei schnell die Vorurteile zunichtemachen kann. Ich habe mich dort auf jeden Fall super wohl gefühlt und bin sehr froh, dass das Unbekannte schnell zum Zuhause wurde.

Ab Wintersemester 2015/16: Auslandssemester in Brixen (Südtirol):

"Südtirol ist absolut empfehlenswert für alle Bergsportler und Naturliebhaber. Da die Uni in Brixen mitten in den Bergen liegt, kann man Studium und Freizeit sehr gut verbinden. Auch sprachlich-kulturell ist Südtirol sehr spannend und nicht zuletzt ein wunderschöner Ort zum Leben."

Ein Jahr Leben und Studium in Südtirol

Ein Jahr Leben und Studium in Südtirol

Für mich als Sonderpädagogik-Studentin aus Rostock war das Auslandsjahr in den Bergen nicht nur für das Studium, sondern auch für meine Persönlichkeit und nicht zuletzt für mein Kletterkönnen ein großer Erfolg. Es gibt sicherlich einiges vorzubereiten, wenn man im Ausland leben und studieren will. Daher empfehle ich jedem mindestens ½ bis 1 Jahr vorher zu starten. Will man mit Erasmus ins Ausland und die Universitäten zu einem neuen Erasmus-Vertrag bewegen, dann sollte man 2 Jahre im Voraus planen, ansonsten gibt es, so wie ich es gemacht habe, die Möglichkeit als Freemover an die Traum-Uni zu gehen.

 

1. Brixen in Südtirol

Die kleine Stadt liegt zwischen Brenner und Bozen mitten in Südtirol mit vielseitigen Möglichkeiten die Berglandschaft der Dolomiten kennenzulernen. In Brixen ist etwa ¾ der Bevölkerung Deutsch- und ¼ Italienisch-Muttersprachler. Daher kommt man auch ohne Italienischkenntnissse gut durch den Alltag. Allerdings empfiehlt es sich Italienisch zu lernen, um beide Kulturgruppen kennenzulernen. Aufgrund der geschichtlichen Vergangenheit Südtirols leben diese beiden Sprachgruppen nebeneinander im Norden Italiens. Auch an der Uni ist diese Trennung deutlich sichtbar, so gibt es eine deutsche und eine italienische Abteilung, in denen die Studenten im Grunde völlig getrennt voneinander studieren. Mit ihrer derzeitigen Monopolstellung ist in Brixen die einzige Fakultät für Bildungswissenschaften, an dem Kindergarten- und Grundschullehrer in Südtirol ausgebildet werden. Aus diesem Grund kommen die StudentInnen der deutschen Abteilung aus allen Gebieten der autonomen Provinz.

 

2. Vorbereitung des Auslandsaufenthaltes

Vor Beginn des Auslandsjahres gab es einiges an Organisatorischem zu klären. Das waren Dinge, die das private Leben betreffen sowie das Studium im Speziellen.

Bei der Krankenkasse habe ich im Vorfeld nachgefragt, ob ich für ein Auslandsjahr abgesichert bin und sie haben mir zugesichert, dass ich innerhalb Europas mit meiner Karte im Krankheitsfall behandelt werden kann, da sich auf der Rückseite bereits die europäische Gesundheitskarte befindet. Eine Zusatzversicherung für das Ausland habe ich nicht abgeschlossen. In der Vorbereitung habe ich die regelmäßigen Arzttermine, wie Zahnarzt, Augenarzt und Frauenarzt, auf den letzten Monat in Deutschland gelegt, sodass ich erst wieder nach dem Jahr, bzw. in den Weihnachtsferien, einen Arzt aufsuchen musste.

Als Freemover musste ich mich zuvor selbst an der Freien Universität Bozen für den geplanten Studiengang schriftlich bewerben. Die Studiengebühren und alle anderen Ausgaben sind dabei selbst zu bezahlen. Jedoch hat man so auch die freie Wahl, wohin und an welche Universität man möchte. Nachdem ich mich Ende März beworben hatte, bekam ich Anfang Juni die Zusage und musste mich mit einem Onlineantrag einschreiben. Da ich, anders als die Erasmus-StudentInnen, keine Verpflichtung hatte, eine Lehr-Lern-Vereinbarung auszufüllen, habe ich mit den einzelnen Fachvertretern im Vorfeld mündliche Absprachen zur Anerkennung meiner Kurse in Brixen getroffen, welches in der Nachbereitung deutlich geholfen hat. Dies setzte eine gründliche Auseinandersetzung mit dem Studienangebot an der UniBz und einer guten Übersicht zum eigenen Studiengang voraus. Demzufolge habe ich den jeweiligen Ansprechpartnern an den unterschiedlichen Fachbereichen konkrete Vorschläge zur Anerkennung meiner geplanten Leistungen gemacht, über die wir dann genauer sprechen konnten. Was die Bescheinigungen und die schriftlichen Anträge betrifft, ist es als Freemover sicherlich deutlich leichter, da man keinerlei Festlegungen wie die anderen AustauschstudentInnen hat. Ich brauchte somit keine Bestätigungen der Universität einholen, dass ich dort ein Studium aufnehme etc. Auch für die Kurswahl und eventuelle Änderungen musste ich keine Absprachen mit Koordinatoren treffen. Allerdings war ich mit allen Entscheidungen und jeglicher Planung auch allein und selbst dafür verantwortlich.

Ich habe mir relativ schnell eine WG in Brixen gesucht, da ich keine Aussicht auf einen Platz im Wohnheim hatte. Die Entscheidung für eine WG war sicherlich sehr gut, da für mich ein Wohnheim wahrscheinlich nicht passend gewesen wäre, weil man in der Regel keinen Besuch empfangen darf, aber vor allem, weil alle StudentInnen Brixen übers Wochenende verlassen und zu ihren Eltern nach Hause fahren. Ich habe so in einer WG mit drei MitbewohnerInnen gewohnt, die recht zentral in der Nähe vom Krankenhaus liegt. Mit dem Fahrrad war ich in Brixen sehr flexibel. Ich würde jedem, der nicht gern auf den Bus wartet, empfehlen eines mitzunehmen oder dort gebraucht zu kaufen.

 

3 . Struktur des Studiums und der Lehrveranstaltungen

Die UniBz unterscheidet sich sehr zu meiner Heimatuniversität Rostock. Der Studiengang Bildungswissenschaften für den Primarbereich ist ein ein-zyklischer Master und geht über fünf Jahre. Praktika werden in jedem Studienjahr mit unterschiedlichem Umfang durchgeführt. Die Anwesenheitszeiten an der Uni sind in der Regel länger, da die Kurse zumeist in Blöcken von vier Unterrichtsstunden (45 Min) stattfinden. Dabei einigt man sich meist auf eine 15 minütige Pause und hat somit zweimal 1 ½ Stunden. Daher begann ein Tag an der Uni oft um 9 Uhr und endete um 17:15 Uhr mit einer knapp zweistündigen Mittagspause. An der UniBz finden die Kurse nicht wochenweise statt, sondern variieren in Tag und Uhrzeit. Somit kann es passieren, dass sich in einer Woche einige Veranstaltungen überschneiden und in der nächsten Woche mehrere Tage frei sind. Dies liegt daran, dass die RegelstudentInnen mit Ausnahme der Wahlpflichtkurse einen festen Stundenplan bekommen. Wenn man nun aber Kurse aus dem zweiten, dritten und vierten Studienjahr besucht, können sich diese ab und an überschneiden.

Insgesamt war für die Veranstaltungen im Durchschnitt deutlich weniger vor- und nachzubereiten, als ich es gewohnt war. Die Vorlesungen, bei denen es keine Anwesenheitspflicht gibt, waren zudem sehr unterschiedlich. Von der reinen Vorlesung im klassischen Sinne, bei der nur der/die DozentIn spricht, bis hin zur Arbeit in Kleingruppen mit Vorträgen und Unterrichtsplanungen, wie ich es aus Seminaren kenne, habe ich vieles kennengelernt. Die Laboratorien haben häufig einen sehr praktischen Bezug und setzen zum Teil viel Engagement und Zeitaufwand auch außerhalb des Unirahmens voraus. Portfolios und Unterrichtsentwürfe mussten häufig angefertigt werden, wobei wissenschaftliche Hausarbeiten weniger üblich waren. Die Modulleistungen waren sehr häufig Klausuren, wobei im Grunde jedes Modul mit einer mündlichen Prüfung von 10 bis 20 Minuten abschließt. Daher zieht sich der Arbeitsaufwand nicht bis in die vorlesungsfreie Zeit, ist aber besonders im Prüfungszeitraum deutlich intensiver. Generell war es für mich einfach, gute Noten in schriftlichen und mündlichen Prüfungen zu erreichen. Spricht und schreibt man hochdeutsch und grammatikalisch korrekt, hat man es zudem leichter, im Vergleich zu den dialektsprechenden StudentInnen. Da an den Kindergärten und Grundschulen Hochdeutsch gesprochen werden soll, legen die Dozenten großen Wert auf die Anwendung dessen an der Universität.

Die Sprache in den Veranstaltungen der UniBz ist in der deutschen Abteilung überwiegend Deutsch, wobei die DozentInnen zum großen Teil aus Österreich und Deutschland kommen. Es gibt auch ein paar Kurse, die auch in der deutschen Abteilung nur auf Italienisch stattfinden. In meinem Jahr gab es ein Projekt, bei dem ein Modul auf Deutsch und Italienisch für beide Abteilungen angeboten wurde. Dabei waren zu jeder Zeit zwei Dozenten im Raum, wobei abwechselnd Italienisch und Deutsch gesprochen wurde und somit der Kontakt zwischen den deutsch- und italienischsprachigen StudentInnen gefördert wurde.

Als einen wichtigen Aspekt habe ich das Praktikum an einer Brixner Grundschule empfunden. Hinsichtlich meines Studiums und meiner beruflichen Fähigkeiten habe ich einiges lernen können, indem ich Unterricht und auch einzelne Aufgaben selbstständig übernehmen konnte. Die Begleitung durch meine Tutorin war sehr gut und die Betreuung durch die Koordinatoren an der Uni ebenfalls. Ich kann ein Praktikum im Ausland aber auch in Bezug auf das Kennenlernen der Kultur und der Landessprache nur empfehlen. Gerade mit Blick auf das Verhältnis von Dialekt und Standardsprache war diese Erfahrung sehr interessant für mich. Außerdem habe ich die inklusive Unterrichtspraxis somit in Aktion kennengelernt und einige positive Anregungen für mich als zukünftige Lehrerin mitnehmen können.

 

4 . Studentisches Leben in Brixen und Südtirol

Die Universität bietet in Brixen neben Sprachkursen auch ein paar Freizeit- und Sportveranstaltungen im Jahr an. Auch die Südtiroler Volkshochschule hat verschiedene Sprachkurse und andere interessante Angebote. Allerdings ist das Studentenleben eher ruhig und übersichtlich in der kleinen Stadt. Neben einer Disco, ein paar Kneipen und einem Kino ist der Ort nicht gerade auf ein pulsierendes Nachtleben ausgelegt. Wer gern Party macht und Leute kennenlernen will, fährt oder wohnt in Bozen. Viele der StudentInnen pendeln täglich, da man, sofern dies möglich ist, bei seinen Eltern wohnt oder eben am Wochenende nach Hause fährt. Demzufolge ist Brixen am Wochenende studentenleer und in der Hauptsaison im Winter und Sommer voll von Touristen. Im Ort kann man eigentlich alles finden, was man für den Alltag braucht. In der historischen Einkaufsmeile überwiegen allerdings Modeboutiquen und Spezialitätenläden, die auf die touristische Laufkundschaft abgestimmt sind. In den vielen kleinen Gassen finden sich allerdings einige schöne Cafés und die Möglichkeit guten Kaffee und ein Eis in Ruhe zu genießen.

Aus studentischer Perspektive mag Brixen etwas öde sein, aber hat man vor die Natur und die Berge kennenzulernen, so ist Brixen ein guter Ausgangspunkt für Sportaktivitäten im Sommer und im Winter. Mit dem Skibus kann man direkt zum nah gelegenen Skigebiet der Plose fahren, die bei gutem Wetter einen atemberaubenden Ausblick auf die Dolomiten bietet. Mit Bus, Bahn oder Auto erreicht man schnell auch weitere Skigebiete, wie Gitschberg-Jochtal oder den Kronplatz. Aussichtsreich und sehr eindrucksvoll ist auf jeden Fall die Sellarunde, die einmal rund um das Sellamassiv mit Ski gefahren werden kann. Für alle, die nicht groß Geld ausgeben wollen, ist das Rodeln im Winter eine tolle Alternative. Auf eine Hütte aufsteigen, etwas trinken oder essen und mit Rodel abfahren – das wird hier an einigen Stellen angeboten, wie beispielsweise im Vilnößtal auf der Geißler Alm. Für Skitourengeher gibt es unendlich viele Möglichkeiten sich auszutoben, so denn der Schnee fallen mag. Auch Eisklettern ist besonders im Pustertal an unzähligen Wasserfällen möglich, allerdings waren leider die Bedingungen in diesem Jahr denkbar schlecht dafür.

Der Sommer begann dafür schon recht früh und ermöglichte uns das Klettern an den Sportkletterwänden bereits im März. In der Nähe von Brixen gibt es die Mahr, welche mit dem Fahrrad schnell erreichbar ist. Da die Wand den ganzen Tag in der Sonne liegt, ist es auch nach Regen schnell abgetrocknet. Bei der Franzensfeste gibt es, mit Bus innerhalb von kurzer Zeit erreichbar, einen weiteren sehr schönen Klettergarten. Da dieses Jahr der Sommer im Hochgebirge jedoch noch ein wenig auf sich warten lies und bis in den Juni hinein noch Schnee vorzufinden war, konnten wir die alpineren Möglichkeiten nicht ausschöpfen. Von Brixen gibt es allerdings eine super Anbindung ins Gebirge per Bus und Bahn. Bis zum Sellajoch fährt man zum Beispiel nur knapp zwei Stunden mit dem Bus und ist mitten im Wander- und Kletterparadies. Auch für Mountainbiker und Downhillfahrer gibt es sicherlich viel zu entdecken. Rund um Brixen gibt es auch einige kleinere Tageswanderungen und Ausflüge, wie z.B. an den Vahrner See, der im Sommer bei hohen Temperaturen eine schöne Abkühlung bietet.

Was die Finanzierung betrifft, sollte man sich in Südtirol auf ein kostspieliges Jahr einstellen, besonders im Vergleich zu den normalen Ausgaben in Rostock. Die Wohnungen sind rar gesät und teuer. Ich habe für ein WG-Zimmer ca. 380 € (Warmmiete) bezahlt. Dabei war dies schon das günstigste Angebot in Brixen, wenn man nicht im Wohnheim wohnen kann oder will. Das Angebot habe ich über das Internet gefunden (Südtirol Kleinanzeigen). Gesucht habe ich etwa insgesamt zwei Monate auf diversen Internetportalen, aber auch vor Ort durch meine Eltern, als diese dort im Urlaub waren. Deshalb würde ich empfehlen, früh damit zu starten. Das örtliche Verkehrsunternehmen (SAD – Südtirol mobil) bietet ein Abo+ für unter 27 jährige für 150 € im Jahr an, mit dem man ganz Südtirol bereisen kann. Italienweit reist man am besten und schnellsten mit Sparangeboten der italienischen Bahngesellschaft (Trenitalia), welche man nur frühzeitig buchen muss, oder deutlich günstiger und dafür langsamer mit dem Fernbus (Flixbus).

Vergünstigungen gibt es in der Mensa und in ein paar Cafés im Ort. Mit dem Studentenausweis bezahlt man einen Spitzenpreis, für ein kleines Menü derzeit 2,90 €, wobei man hier eine Vorspeise (Pasta oder Risotto oder auch Knödel), Salat und ein Obst oder Nachtisch zusammen mit einem Getränk und einem Brötchen bekommt. Für 3,60 € gibt es statt der Vorspeise eine Hauptspeise (Kartoffel, Gemüse und Fleisch oder Fisch), wobei für mich das Primo, also die „Vorspeise“, immer genügt hat.

Die Lebensmittelpreise sind deutlich höher als gewohnt. Man hat oft das Gefühl, dass man an einer Tankstelle einkaufen ist. Auch die Auswahl ist anders, das Obst und Gemüse ist besser und frischer, Obst aus dem Glas gibt quasi nicht. Wer gern gut isst und dafür auch Geld ausgeben mag, kann es sich in Südtirol auf jeden Fall gut gehen lassen. Guten Wein und gute Pasta sowie traditionelle Südtiroler Gerichte gibt es überall.

Abschließend kann ich Brixen für alle Bergsportler empfehlen, die gern ihr Studium vorantreiben wollen und gleichzeitig Zeit für Sport und Freizeit haben möchten. Ich habe die Südtiroler als sehr herzliche und kontaktfreudige Menschen erlebt, sicherlich mit Ausnahme der Fans bestimmter rechter Musikgruppen, die zum Festival als Invasion den Ort belagern. Eine große Gastfreundlichkeit und ehrliche Freundschaften habe ich dort gefunden und werde wohl immer wieder zurückkommen.

Sommersemester 2014: Auslandspraktikum in Kibaha (Tansania)

"Insgesamt kann ich sagen, dass ich in Tansania eine sehr unbeschwerte und einfach wunderschöne Zeit hatte. Ich möchte keine Erfahrung missen. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Zeit mit meiner Freundin teilen kann und dass wir so die Möglichkeit hatten, Tag für Tag unsere Eindrücke auszutauschen und zu reflektieren. Ich habe mir sehr viele Gedanken über Rassismus, oder die Stellung der Frau gemacht, da ich tagtäglich mit diesen Themen in Berührung gekommen bin. Ich konnte mich sehr gut auf den Lebensstiel einlassen und es machte mir nichts aus auf Luxusgüter, wie fließendes Wasser, geschweige denn warmes Wasser zu verzichten. Dennoch bin ich einige Male an meine Grenzen gestoßen, da ich mir nicht bewusst war, wo die Grenze zwischen Respekt und Akzeptanz gegenüber der anderen Kultur und den eigenen Werten und Normen treu bleiben liegt. Ich fand es sehr spannend diesen kulturellen Austausch miterleben zu dürfen und auch die eigene Kultur einmal von außen zu betrachten. Ich bin sehr dankbar, dass das PROMOS-Stipendium mir diese Chance ermöglicht hat und ich kann einen ähnlichen Auslandsaufenthalt nur empfehlen, vor allem den Menschen, die Lust haben sich in der Fremde kennenzulernen und ganz individuelle Erfahrungen zu sammeln."

PROMOS-Praktikumsbericht

PROMOS-Praktikumsbericht

In diesem Erfahrungsbericht möchte ich von meinem Auslandspraktikum an der Kidenge- Primary-School in Tansania vom 06.08.2014 – 19.09.2014 berichten.

Vorbereitung

Im Rahmen meines Lehramtsstudiums für Sonderpädagogik und Mathematik stand das nächste Praktikum vor der Tür: das Orientierungspraktikum. (Mein Praktikum in Tansania wird mir auch als solches von der Universität Rostock anerkannt.) Als ich um die Möglichkeit erfahren habe, dass ich dieses Praktikum ebenfalls im Ausland absolvieren kann, wollte ich diese Chance nutzen und meinen persönlichen Erfahrungshorizont um diese wertvollen Erfahrungen zu erweitern.

Schon lange vor meinem Auslandsaufenthalt habe ich über ein mich sehr ansprechendes Plakat das für mich passende Projekt für mein Auslandspraktikum gefunden. Dachte ich zumindest. Es ist ein kleiner Verein in Rostock (Nachami e.V.), der eine Partnerschule unterstützt, allerdings nicht Tansania, sondern in Kenia. Schnell bin ich mit diesem Verein in Kontakt gekommen und alles schien perfekt zu sein. Je näher die Abreise jedoch kam, desto mehr häuften sich die Nachrichten über die vermehrten terroristischen Anschläge in Kenia. Leider ließ die Sicherheitslage in Kenia es nicht zu, das Praktikum an dieser Schule zu realisieren. Gemeinsam mit einer sehr guten Freundin, die sich ebenfalls für das Projekt in Kenia entschieden hat, habe ich beschlossen, den Versuch zu starten ein alternatives Projekt zu finden. So sind wir über Internetrecherchen auf die Organisation EasyGo-EasyCome gestoßen. Es ist eine Organisation von Studenten, für Studenten und hat einige Partnerprojekte im Ausland. Wie der Name der Organisation schon sagt, haben sie es uns leicht gemacht, auch so kurzfristig noch einen passenden Praktikumsplatz zu finden. So sind wir in Kibaha an der Kidenge-Primary-School in Tansania gelandet.

Der Standort für unser Praktikum hat sich zwar geändert, aber die Motivation und die Spannung vor dem Aufenthalt sind die gleichen geblieben. Genauso haben Kenia und Tansania gemein, dass die erste Landessprache Kisuaheli ist. Dementsprechend waren unsere Bemühungen uns mit Kisuaheli vertraut zu machen nicht umsonst. Nach dem ewigen Hin und Her sehnte ich mich nur noch nach der Ausreise.

Ankunft

Erst knapp einen Monat vor Reisebeginn stand endgültig fest, dass wir nach Tansania gehen werden und so kam der Abflugtermin viel früher, als gedacht. Und kaum einen Tag später sind wir in einer komplett anderen Welt gelandet und wie es im Buche steht, war alles total chaotisch. Nach einigen kleinen Schwierigkeiten mit der Visumsorganisation und dem Geldabheben, wurden wir schon von dem Organisator von EasyGo-EasyCome, der zugleich unser Gastgeber war, erwartet. Gemeinsam sind wir dann mit einem Taxi nach Kibaha, genauer Kwa Mathias, gefahren und ich musste direkt feststellen, dass ich mich an den 12-Stunden Tages-Nacht-Rhythmus erst noch gewöhnen muss (da es um sieben Uhr schon dunkel wurde).

Direkt am nächsten Tag sind wir dann mit dem sogenannten „Dalladalla“ (öffentliche Busse, mit denen jede Fahrt abenteuerlich ist) in das nächstgrößere Städtchen Kibaha-Town gefahren, um Geld abzuheben. Witzig fand ich die Tatsache, dass man in Tansania höchsten 400.000 TZS abheben konnte (ca. 200€), da nicht mehr Scheine durch die Öffnung des Geldautomaten passten (der größte Schein ist 10.000 TZS). Am Nachmittag sind wir direkt mit den „Pikipikis“ (Motorradtaxis) zu unserer Schule gefahren, die etwa 6 Kilometer außerhalb unseres Wohnortes war. Es war total schön, ich habe mich sehr darüber gefreut, dass es eine kleine Schule war und ich konnte mir noch überhaupt nicht vorstellen irgendwann mal „dazuzugehören“! Am selben Tag haben wir uns noch eine tansanische SIM-Karte gekauft, die man problemlos mit den deutschen Handys nutzen konnte. Vollgepackt und durchaus auch noch ein bisschen überfordert von all den Eindrücken, freute ich mich sehr auf die kommende Zeit in Tansania.

Gastland und Praktikumsort

Tansania ist ein ostafrikanisches Land, welches auch ein beliebtes Urlaubsziel ist. Mit seinen ca. 45 Millionen Einwohnern auf einer Fläche, die etwa dreimal so groß ist, wie die der Bundesrepublik Deutschland, ist Tansania ein dünn besiedeltes Land. Die Landschaft reicht von den traumhaftesten Stränden, über Regenwälder, bis hin zu Gebirgslandschaften und natürlich dem Highlight, dem Kilimandscharo. Ebenfalls bekannt und beliebt ist Tansania für seine zahlreichen, wunderschönen Nationalparks mit einem Reichtum an Tierwelt. Leider hatte ich das Gefühl, der Tourismus ist wie eine Blase, die über dem Land schwebt und eigentlich gar nichts mit dem Land, dem Volk und der Kultur zu tun hat.

Spannend empfand ich das Zusammenleben der verschiedenen Religionen. Es werden etwa zu gleichen Teilen das Christentum, der Islam und Naturreligionen verfolgt. Ich habe das Zusammenleben als friedlich und funktionierend empfunden; auch in der Schule machten sich die verschiedenen Religionen deutlich, stellten aber nie ein Problem dar.

Tansania war erst eine deutsche Kolonie und anschließend eine britische; 1961 erlangte es die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich. Aus beiden Zeiten sind noch Spuren zu erkennen, so herrscht beispielsweise Linksverkehr und die zweite Amtssprache ist Englisch. Solange man sich allerdings nicht in den Touristen-Gebieten aufhält, sind Grundkenntnisse in Kisuaheli unabdingbar (bestenfalls schon vor der Reise beginnen!).

Offizielle Hauptstadt ist Dodoma, welche im Landesinneren liegt. Inoffiziell wird die Hafenstadt Dar es Salam als Hauptstadt bezeichnet, da hier beispielsweise die Regierung und einige Botschaften ansässig sind. Mein neuer „Heimatort“, Kwa Mathias, liegt in der Region Pwani, etwa 60 Kilometer nord-westlich von Dar es Salam. Kwa Mathias hat circa 1.000 Einwohner, Schulen, Kirchen, einige Läden (in denen man alles bekommt, was man braucht) und jeden Freitag ist Markt. Es war total schön, als man nach einiger Zeit in bestimmten Läden, bzw. bei bestimmten Händlern Stammkunde war und sich schon kannte. Auch im relativ neuen Internetcafé waren wir bekannt. Das Internetcafé hatte grundsätzlich sechs Tage die Woche geöffnet, natürlich gab es dann Ausnahmen, wie Stromausfall oder Festlichkeiten in der Familie und das Internetcafé hatte doch geschlossen.

Struktur des Praktikums

Die Kidenge-Primary-School liegt 6 Kilometer von meiner Unterkunft entfernt. Jeden Morgen sind wir mit den Pikipikis über Stock und Stein, durch winzige Dörfer zur Schule gefahren. Ich habe diese Fahrt jeden Morgen erneut genießen können.

Die Schule bestand bisweilen aus fünf Klassen und dem sogenannten Kindergarten. Die Grundschulzeit beträgt in Tansania sieben Jahre, bis dahin ist der Schulbesuch für die Familien kostenfrei (außer Schuluniform und –ausstattung). Zukünftig werden auch in dieser Schule die Klassen von 1 bis 7 unterrichtet (die jetzige fünfte Klasse war die erste der Schule und wird bis zur siebten Klassenstufe bleiben).

Neben den drei Lehrpersonen besitzt die Schule auch nur fünf Klassenräume, was jetzt schon (wegen dem Kindergarten) zu wenig ist, daher konnte die erste Klasse immer nur vormittags unterrichtet werden und die zweite Klasse immer nur nachmittags. Grundsätzlich begann die Schule immer um 8 Uhr morgens und endete um 14 Uhr. Jeden Morgen versammelte sich die gesamte Schule zum „Morning-Assembly“ (wohl auch ein Brauch aus der britischen Kolonialzeit). Nach einiger Zeit des Hospitierens, des Einfindens und Einlebens haben meine Mitpraktikantin und ich die dritte Klasse übernommen.

Von Anfang an haben wir Pausenbetreuung gemacht, Spiele gespielt oder einige sportliche Aktivitäten durchgeführt. So kannten wir die Kinder bereits ein wenig und konnten dann direkt mit dem Mathematik- und Englischunterricht beginnen. Trotz der Tatsache, dass die Kinder von der ersten Klasse an Englischunterricht haben, hatten sie kaum Vorkenntnisse. So stellte uns auch die Kommunikation vor die ein oder andere Herausforderung, da unser Kisuaheli leider auch nicht perfekt war. Die Zeit mit der dritten Klasse hat mir sehr viel Spaß bereitet. Es war schön nach und nach alle Namen zu kennen und trotz einer Klassengröße von 35-40 Kindern immer direkt zu merken, welcher Schüler fehlt. Sehr schön fand ich auch den Moment, als die Kinder anfingen uns Fragen zu stellen und keine Angst mehr vor uns hatten. (Denn leider ist es in Tansania immer noch an der Tagesordnung, dass die Kinder geschlagen werden, so auch von unseren Lehrern an unserer Schule.) Ein wunderbarer Abschluss dieser Zeit war als die Kinder uns die letzten Tage mit „Byebye Rafiki!“ verabschiedeten, was so viel heißt, wie „Tschüss Freunde!“.

Allgemeines Leben

Ich lebte über die gesamte Zeit mit meiner Mitpraktikantin bei dem Kontaktmann von EasyGo-EasyCome. Er ist alleinstehend und lebt in dem Haus mit seiner Haushälterin. Sie ist genauso alt wie wir und wir haben uns wunderbar verstanden. Oft waren wir gemeinsam auf dem Markt, haben gemeinsam gekocht, Wäsche gewaschen oder uns gegenseitig unsere Sprachen beigebracht. Wir hatten ein eigenes Zimmer, mit eigenem „Bad“, welches mit einem Plumpsklo und einem Kübel Wasser zum Duschen ausgestattet war. Verköstigt wurden wir drei Mal täglich: morgens mit Chai und unterschiedlichem landestypischen Gebäck, und zweimal am Tag gab es warm. Meistens Reis oder Ugali (landestypischer Maniokbrei) mit Bohnen, Spinat und manchmal Fisch oder Fleisch, aber immer Obst. An besonderen Tagen gab es auch die tansanische Spezialität: „Pilau“ (speziell gewürzter Reis). Nach der Schule haben wir die Nachmittage neben der Unterrichtsvorbereitung und Kisuaheli-Lernen meist im Dorf verbracht. Nach und nach kannte man so viele Gesichter und hat sich richtig heimisch gefühlt.

Da Kwa Mathias eine ziemlich gute Verkehrsanbindung hat, war es sehr gut geeignet für kleine Wochenendtrips. Gemeinsam mit unserem Gastgeber haben wir uns immer kleine Ziele rausgesucht und uns anschließend auf den Weg gemacht. Es war jedes Mal ein Abendteuer und immer mit ein klein wenig Stolz verbunden, wenn man angekommen war. So konnten wir Land und Leute ein bisschen besser kennen lernen und das dortige Treiben besser verstehen. Wir haben beispielsweise die Schwester unseres Gastgebers in den Pugu-Hills besucht oder das Küstenstädtchen Bagamoyo, indem noch einiges übergebliebenes Kulturerbe aus der deutschen Kolonialzeit vorzufinden war. Jede Ecke in Tansania ist so unterschiedlich und einzigartig, dass es sich wirklich lohnt verschiedene Orte des Landes zu besuchen.

Fazit

Insgesamt kann ich sagen, dass ich in Tansania eine sehr unbeschwerte und einfach wunderschöne Zeit hatte. Ich möchte keine Erfahrung missen. Ich bin sehr dankbar, dass ich die Zeit mit meiner Freundin teilen kann und dass wir so die Möglichkeit hatten, Tag für Tag unsere Eindrücke auszutauschen und zu reflektieren. Ich habe mir sehr viele Gedanken über Rassismus, oder die Stellung der Frau gemacht, da ich tagtäglich mit diesen Themen in Berührung gekommen bin. Ich konnte mich sehr gut auf den Lebensstiel einlassen und es machte mir nichts aus auf Luxusgüter, wie fließendes Wasser, geschweige denn warmes Wasser zu verzichten. Dennoch bin ich einige Male an meine Grenzen gestoßen, da ich mir nicht bewusst war, wo die Grenze zwischen Respekt und Akzeptanz gegenüber der anderen Kultur und den eigenen Werten und Normen treu bleiben liegt. Ich fand es sehr spannend diesen kulturellen Austausch miterleben zu dürfen und auch die eigene Kultur einmal von außen zu betrachten. Ich bin sehr dankbar, dass das PROMOS-Stipendium mir diese Chance ermöglicht hat und ich kann einen ähnlichen Auslandsaufenthalt nur empfehlen, vor allem den Menschen, die Lust haben sich in der Fremde kennenzulernen und ganz individuelle Erfahrungen zu sammeln.

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