Von der Theorie in die Praxis und zurück
50 Jahre ISER - Programminhalt
Die Anmeldung finden Sie hier.
Veranstaltungsorte
Beachten Sie, dass die Veranstaltung an zwei Orten stattfindet. Beide Orte sind fußläufig erreichbar. Die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln wird empfohlen.
Festveranstaltung und Fachvorträge (11 bis 15 Uhr)
Programmpunkt I
Aula in der
Universität Rostock
Universitätsplatz 1
18055 Rostock
Universitätshauptgebäude
Workshops (16 bis 17 Uhr)
Programmpunkt II
Institut für Sonderpädagogische Entwicklungsförderung und Rehabilitation
Kröpeliner Str. 57
18055 Rostock
Eingang über die Apostelstraße.
Ausklang ab 17:30 Uhr
N.N. (Selbstzahler)
Fachvorträge (Programmpunkt I)
in der Aula am Universitätsplatz (Universitätshauptgebäude)
Zwischen Hochschule und Schule: Entwicklungsräume im dualen Lehramtsmodell der Universität Erfurt
Dr. Ina Semper und Fiona Hynes, M.A. Universität Erfurt
Das duale Lehramtsstudium an der Universität Erfurt wurde als Antwort auf den zunehmenden Bedarf an qualifizierten Lehrkräften in der Sekundarstufe I eingerichtet. Ziel war es, ein Studienformat zu entwickeln, das Studierende früh an das Land Thüringen bindet und zugleich eine wissenschaftlich fundierte Professionalisierung sicherstellt. Der Einrichtungsprozess erfolgte in enger Kooperation mit dem Bildungsministerium, den Schulämtern und universitären Akteur:innen und führte zu einer Studienstruktur, die wöchentliche Schulpraxis eng mit universitären Lehr‑ und Reflexionsformaten verbindet. Ab dem dritten Semester sind die Studierenden fortlaufend an zwei Tagen pro Woche an festen Schulen eingesetzt, wodurch ein intensiver Lern‑ und Entwicklungsraum entsteht, der das Potenzial für eine enge Verzahnung von Theorie und Praxis bietet.
Im Impulsvortrag werden die zentralen Entwicklungsräume dieser Verzahnung vorgestellt. Die zunehmend komplexen Schulpraxisanteile umfassen
1) ein Orientierungspraktikum sowie universitär begleitete bildungswissenschaftliche Praktika,
2) die fachdidaktische Ausbildung in den beiden Unterrichtsfächern und
3) die fortlaufende Schulpraxis an zwei Tagen pro Woche mit steigenden Anteilen an Ausbildungsunterricht sowie supervisorischer Begleitung in Kleingruppen.
Darüber hinaus werden erste Rückmeldungen der Studierenden und der Schulen beleuchtet, die sowohl Chancen als auch Herausforderungen des Modells sichtbar machen. Diese Erfahrungen bilden eine wichtige Grundlage für die Weiterentwicklung der Begleitstrukturen und Professionalisierungsangebote.
Praxisschulen als Schnittstellen der Lehrer:innenbildung: Potenziale, Herausforderungen und Gelingensbedingungen kooperativer Strukturen
Anna Gruber PH Oberösterreich Linz
Im Kontext des Fachtags „50 Jahre ISER“ an der Universität Rostock untersucht der Beitrag die Frage, welchen Beitrag Praxisschulen zur Professionalisierung angehender Lehrpersonen sowie zur Weiterentwicklung von Schule und Lehrer:innenbildung leisten können. Im Fokus steht dabei die Kooperation zwischen Schulen und Pädagogischen Hochschulen als institutionalisierte Form der Theorie-Praxis-Verzahnung.
Auf Grundlage ausgewählter Praxisbeispiele und kooperativer Entwicklungsformate wird aufgezeigt, wie Praxisschulen als Lern- und Forschungsorte fungieren. Sie ermöglichen Studierenden eine frühzeitige, reflexiv begleitete Auseinandersetzung mit unterrichtlichen Anforderungen und eröffnen Lehrpersonen zugleich Zugänge zu aktuellen wissenschaftlichen Diskursen. Daraus ergeben sich Potenziale für eine evidenzorientierte Unterrichtsentwicklung sowie für die gemeinsame Generierung professionsbezogenen Wissens.
Gleichzeitig werden strukturelle und organisationale Herausforderungen analysiert, insbesondere hinsichtlich Ressourcen, Rollenklarheit und Koordinationsaufwand. Der Beitrag identifiziert zentrale Gelingensbedingungen nachhaltiger Kooperation, darunter verbindliche Kommunikationsstrukturen, gemeinsame Zielperspektiven sowie institutionelle Absicherung.
Ziel ist es, Praxisschulen als integratives Element einer kohärenten Lehrer:innenbildung theoretisch zu konturieren und empirisch informierte Impulse für deren Weiterentwicklung zu geben.
Neuausrichtung im Dschungel der Praxisphasen – der Praxistag am ISER
Cathrin Grotjohann und Dr. Felix Linström Universität Rostock
Am Institut für Sonderpädagogische Entwicklungsförderung und Rehabilitation (ISER) absolvieren Studierende bis dato die schulpraktischen Übungen in Begleitung mit Dozierenden des ISER. Jedoch nehmen die anschließenden Blockpraktika eine Stellung abseits der Lehre ein, sodass schwerlich die Rede von einer sinnvollen Theorie-Praxis-Verzahnung sein kann. Sowohl für Studierende als auch für Lehrende war diese Situation unbefriedigend. Mit der Reformierung des Lehrkräftebildungsgesetzes in Mecklenburg-Vorpommern ergab sich für das ISER jedoch die Gelegenheit, den Theorie-Praxis-Bezug neu zu denken und weiterzuentwickeln. Eine Herausforderung bestand darin, das passende Format aus den zahlreichen Möglichkeiten wie Tages- oder Blockpraktika sowie Praxissemester auszuwählen und als Konzept am ISER zu etablieren. Doch reicht es nicht aus das Theorie-Praxis-Verhältnis organisatorisch neu zu regeln. Es stellen sich weiterhin die Fragen nach der Praxisschule, der inhaltlichen Verschränkung mit dem Curriculum sowie dem Umfang der Betreuung – allenfalls würde es sich bei einer reinen Neuausrichtung um eine Scheininnovation handeln.
In dem Dschungel der Professionalisierungsmöglichkeiten durch Schulpraktika geht der Vortrag auf den Praxistag als Professionalisierungsformat zur Verbindung von Theorie und Praxis am ISER ein. Mit dem Anspruch Sonderpädagog:innen für heterogene Lerngruppen auszubilden, wird ebenso das Potenzial der inklusiven Schule als Praktikumsort beleuchtet.
Workshops (Programmpunkt II)
im ISER in der Kröpeliner Str. 57 (Jakobi-Passage)
WSI: Praxistag im Sekundarstufenbereich
Theorie‑Praxis‑Verzahnung im dualen Lehramtsstudium: Fachdidaktische Unterrichtsbegleitung und supervisorische Reflexionsarbeit
Dr. Ina Semper und Fiona Hynes, M.A. Universität Erfurt
Im Workshop geben wir einen Einblick in die Begleitstrukturen des dualen Lehramtsstudiums an der Universität Erfurt und zeigen, wie in der fachdidaktischen Ausbildung und supervisorischen Schulpraxisbegleitung gearbeitet wird. Ziel ist es, Studierende frühzeitig in der Planung, Durchführung und Reflexion von Unterricht zu professionalisieren und zugleich die Zusammenarbeit zwischen Universität und Schulen zu stärken.
Aufseiten der Universität erfolgt die fachdidaktische Begleitung vor dem Hintergrund eines regelmäßigen Austauschs mit den Schulen. Die Studierende planen Unterricht in Co-planning Teams, führen ihn durch und videografieren eine Unterrichtsstunde, die anschließend in Tutorial-Format mithilfe von einem Fragenbogen analysiert und reflektiert wird. Ergänzend dazu arbeiten die Studierenden in Kleingruppen mit supervisorischer Unterstützung an ihren konkreten Erlebnissen und Handlungssituationen aus dem Schulalltag. Hier kommen strukturierte Reflexionsmethoden wie Kollegiale Fallberatung zum Einsatz. Erlebte Situationen werden dabei systematisch an theoretische Wissensbestände rückgebunden und durch gezielte Impulse erweitert.
Im Workshop stellen wir bisher bekannte Gelingensfaktoren und Herausforderungen dieser doppelten Begleitung vor und diskutieren gemeinsam mit den Teilnehmenden, wie eine solche Theorie‑Praxis‑Integration nachhaltig gestaltet und weiterentwickelt werden kann.
WSII: Zusammenarbeit mit Praxisschulen
Praxisschulen als Praxislabor: Kooperation wirksam gestalten
Anna Gruber PH Oberösterreich Linz
Der Workshop, aufbauend auf den Vortrag am Fachtag „50 Jahre ISER“ an der Universität Rostock, richtet den Fokus auf die praxisnahe Gestaltung von Kooperationen zwischen Praxisschulen und Pädagogischen Hochschulen. Unter Bezugnahme auf theoretische Modelle der Lehrer:innenbildung und empirische Befunde werden Potenziale, Herausforderungen und Gelingensbedingungen kooperativer Strukturen systematisch reflektiert.
Teilnehmende analysieren typische Praxissituationen – etwa die Begleitung von Studierenden, die Abstimmung institutioneller Prozesse oder die Klärung von Rollen und Zuständigkeiten – und entwickeln daraus konkrete, direkt übertragbare Handlungsschritte. Ziel ist es, Theorie-Praxis-Verzahnung erlebbar zu machen und die nachhaltige Kooperation zwischen Schulen und Hochschulen zu fördern.
Der Workshop verbindet Reflexion, Austausch und Transfer und unterstützt die Teilnehmenden dabei, evidenzbasierte Strategien in ihre eigene Praxis zu integrieren, um die Lehrer:innenbildung praxisnah und professionell weiterzuentwickeln.
WSIII: Praxistag im Lehramt Sonderpädagogik
Erfolgreich gestartet! Der Praxistag am ISER
Cathrin Grotjohann und Dr. Felix Linström Universität Rostock
Das Lernpotential für Studierende im Praxistagprojekt des ISER ergibt sich nicht allein aus der Regelmäßigkeit und Menge an Praktikumserfahrungen, sondern aus einer, von Beginn an, qualitativ hochwertigen Begleitung in verschiedenen Settings über fast den gesamten Studienzeitraum hinweg.
Studierende im Praxistagprojekt profitieren derzeit von einer intensiven Betreuung durch qualifizierte Mentor:innen an den Praktikumsschulen, Fachkräfte in der universitären Ausbildung sowie studentische Tutor:innen, um die Vielfalt an organisatorischen und inhaltlichen Aufgaben im Praxisfeld Schule bewältigen und erste Handlungskompetenzen erwerben zu können.
Wie kann es jedoch gelingen, über den schulischen Alltag hinaus, Räume zu schaffen, in denen die am Prozess beteiligten Akteur*innen in den moderierten Austausch gehen und fachlich stärker voneinander profitieren?
Im Workshop sollen Bausteine der Betreuung im Praxistagprojekt des ISER vorgestellt und diskutiert werden. Es geht darum, erste Erfahrungen aus Sicht von Akteur:innen einzuordnen sowie Gelingensbedingungen und Problemstellen für einen erfolgreichen Betreuungsprozess auszuloten.
Programmänderungen vorbehalten. Für die Inhalte der Vorträge und Workshops zeichnen die jeweiligen Referent*innen verantwortlich.

